Veröffentlicht am März 15, 2024

Die meisten durch Make-up verursachten Augeninfektionen sind vermeidbar – nicht durch blindes Wegwerfen, sondern durch eine aktive Diagnose Ihrer Produkte.

  • Das Haltbarkeitssymbol (PAO) ist nur ein Richtwert, dessen Gültigkeit stark von der Lagerung abhängt.
  • Ihre Sinne sind das wichtigste Diagnosewerkzeug: Geruchs- und Texturveränderungen sind klare Warnsignale.
  • Puderprodukte können oft hygienisch gerettet werden, während flüssige Augenprodukte keine Kompromisse dulden.

Empfehlung: Führen Sie monatlich einen visuellen und olfaktorischen Check Ihrer Sammlung durch, um zu einer bewussten Kosmetik-Kuratorin zu werden.

In jeder Kosmetiksammlung gibt es sie: die Lidschattenpalette, die an einen besonderen Abend erinnert, oder der Lippenstift in der perfekten, nicht mehr erhältlichen Farbe. Man benutzt sie selten, aber wegwerfen? Unvorstellbar. Diese Produkte werden zu kleinen Schätzen, die im Badezimmerschrank aufbewahrt werden. Doch während der emotionale Wert bleibt, tickt im Inneren eine unsichtbare Uhr. Jeden Tag hören wir die Standardratschläge: Mascara nach drei Monaten entsorgen, Cremes nach einem Jahr. Aber was bedeuten diese Regeln wirklich für eine umfangreiche Sammlung, die aus Puder, Cremes und flüssigen Texturen besteht?

Die Wahrheit ist, dass die Sicherheit Ihrer Kosmetik weit über das Befolgen starrer Fristen hinausgeht. Die meisten Ratschläge kratzen nur an der Oberfläche und ignorieren die entscheidenden Faktoren: Lagerung, Anwendungshygiene und die chemische Stabilität der Inhaltsstoffe. Was wäre, wenn Sie, anstatt eine passive Konsumentin zu sein, zur aktiven Kuratorin Ihrer eigenen Sammlung werden könnten? Wenn Sie lernen würden, die wahren Anzeichen eines „gekippten“ Produkts zu erkennen, zu verstehen, warum Ihr Badezimmer eine Zeitbombe für Vitamin-C-Seren ist, und sogar zu wissen, wie man einen Puderlidschatten hygienisch retten kann?

Dieser Leitfaden geht über das reine Verfallsdatum hinaus. Er vermittelt Ihnen das nötige Wissen, um eine fundierte Diagnose zu stellen. Wir entschlüsseln gemeinsam die Symbole, lernen, die Warnsignale von Produkten zu lesen, und entwickeln eine Strategie, um sicher zu entscheiden, was bleiben darf und was aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen gehen muss. Es ist an der Zeit, die Kontrolle über Ihre Sammlung zurückzugewinnen und Sicherheit mit bewusster Pflege zu verbinden.

Um Ihnen eine klare Übersicht zu bieten, haben wir die wichtigsten Themen in diesem Artikel strukturiert. Das Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die entscheidenden Aspekte der Kosmetiksicherheit und -organisation.

Der offene Tiegel (PAO): Was bedeutet „12M“ wirklich für die Sicherheit?

Jeder kennt es, das kleine Symbol eines offenen Tiegels mit einer Zahl wie „12M“ oder „6M“. Dieses PAO-Symbol („Period After Opening“) gibt die empfohlene Verwendungsdauer nach dem ersten Öffnen an. Es ist ein wichtiger erster Anhaltspunkt, aber keinesfalls eine unumstößliche Garantie für Sicherheit. Die Angabe ist vor allem für Produkte relevant, deren Haltbarkeit 30 Monate im ungeöffneten Zustand überschreitet; andernfalls ist ein konkretes Mindesthaltbarkeitsdatum Pflicht. Doch die wahre Lebensdauer eines Produkts wird maßgeblich von Faktoren beeinflusst, die nach dem Öffnen ins Spiel kommen.

Das PAO-Symbol basiert auf Stabilitätstests unter Laborbedingungen. In der Realität wird diese Haltbarkeit jedoch durch unsere täglichen Gewohnheiten auf eine harte Probe gestellt. Ein Produkt, das mit den Fingern statt mit einem sauberen Spatel entnommen wird, ist einer viel höheren Keimbelastung ausgesetzt. Jeder Kontakt mit Luft, Licht und Mikroorganismen von unserer Haut startet einen unaufhaltsamen Zersetzungsprozess. Das PAO ist also kein Countdown, sondern eine bestmögliche Schätzung unter idealen Bedingungen. Es zu kennen ist wichtig, aber zu verstehen, was seine Gültigkeit untergräbt, ist entscheidend.

Mehrere Faktoren können die auf dem PAO angegebene Frist drastisch verkürzen und ein Produkt vorzeitig unbrauchbar machen. Als bewusste Kuratorin Ihrer Sammlung sollten Sie diese Risikofaktoren kennen:

  • Feuchtigkeit: Sie ist der größte Feind und fördert die Vermehrung von Bakterien und Schimmel.
  • Licht und Sonne: UV-Strahlung zersetzt empfindliche Wirkstoffe wie Vitamine und Antioxidantien.
  • Temperaturschwankungen: Extreme Hitze oder Kälte können die Emulsion einer Creme brechen und die Textur zerstören.
  • Sauerstoffkontakt: Ein nicht richtig verschlossener Tiegel beschleunigt die Oxidation und den Wirkstoffverlust.
  • Kreuzkontamination: Produktreste am Deckel oder die Verwendung unsauberer Pinsel führen Keime direkt in die Formel ein.

Das PAO-Symbol ist somit weniger ein Gesetz als vielmehr der Beginn Ihrer eigenen Verantwortung. Die wahre Sicherheit liegt darin, die Lagerbedingungen zu kontrollieren und das Produkt auf Veränderungen zu beobachten.

Hitze und Feuchtigkeit: Warum Ihr Badezimmerschrank der schlechteste Ort für Vitamin C ist?

Das Badezimmer scheint der logischste Ort für die Aufbewahrung von Kosmetika zu sein, doch es ist oft der schädlichste. Die täglichen Zyklen von Hitze und Feuchtigkeit durch Duschen oder Baden schaffen ein Mikroklima, das die brutale Vermehrung von Bakterien und Schimmel begünstigt. Für viele kosmetische Formulierungen, insbesondere solche mit aktiven Wirkstoffen wie Vitamin C oder Retinol, ist diese Umgebung pures Gift. Diese Moleküle sind von Natur aus instabil und reagieren empfindlich auf Umwelteinflüsse.

Die Oxidation ist hier der Hauptfeind. Sie ist ein chemischer Prozess, bei dem ein Wirkstoff durch den Kontakt mit Sauerstoff, Licht oder Wärme seine Struktur verändert und unwirksam wird. Im Fall von Vitamin-C-Seren ist dieser Prozess sogar sichtbar.

Sérums de vitamine C montrant différents stades d'oxydation de transparent à marron

Wie auf dieser Abbildung zu sehen ist, verändert ein frisches, wirksames Vitamin-C-Serum seine Farbe von klar oder leicht gelblich zu einem tiefen Orange oder Braun, wenn es oxidiert ist. Ab diesem Punkt hat es nicht nur seine antioxidative Wirkung verloren, sondern kann sogar pro-oxidativ wirken und die Haut reizen. Ihr Badezimmerschrank, warm und feucht, beschleunigt diesen Vorgang dramatisch. Die beste Alternative ist ein kühler, dunkler und trockener Ort wie eine Schublade im Schlafzimmer oder sogar der Kühlschrank, besonders für empfindliche Seren.

Die Wahl des richtigen Lagerorts ist somit kein kleiner Luxus, sondern eine grundlegende Maßnahme, um die Wirksamkeit Ihrer Investition in hochwertige Hautpflege zu schützen.

Geruch und Konsistenz: Woran erkennen Sie, dass eine Creme „gekippt“ ist?

Während das PAO-Symbol und die Lagerung wichtige Indikatoren sind, bleiben Ihre eigenen Sinne das ultimative Werkzeug für die visuelle und olfaktorische Diagnostik. Ein Produkt kann lange vor dem offiziellen Verfallsdatum „kippen“, wenn es falsch gelagert oder kontaminiert wurde. Umgekehrt kann ein gut konserviertes Puderprodukt oft länger sicher verwendet werden. Das Erlernen der Erkennungsmerkmale ist der Schlüssel, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Jeder Produkttyp zeigt unterschiedliche Warnsignale. Eine Veränderung des Geruchs ist oft das erste und eindeutigste Zeichen. Ein ranziger, säuerlicher oder chemischer Geruch, der beim Kauf nicht vorhanden war, deutet auf bakterielles Wachstum oder die Zersetzung von Fetten und Ölen hin. Auch die Textur ist ein verräterischer Indikator. Hat sich das Öl von der Wasserphase getrennt? Ist die Creme körnig oder wässrig geworden? Wirkt der Mascara trocken und bröselig? All dies sind rote Flaggen.

Die folgende Tabelle fasst die häufigsten Anzeichen für verschiedene Produktkategorien zusammen. Sie dient als praktischer Leitfaden für Ihren nächsten Audit Ihrer Kosmetiksammlung.

Anleitung zur Erkennung abgelaufener Produkte nach Typ
Type de produit Signes de péremption Durée PAO moyenne
Fond de teint S’assombrit, se sépare, devient liquide 6-12 mois
Mascara Devient sec, friable, odeur forte 3-6 mois
Crème Jaunit, devient aqueuse, granuleuse 6-12 mois
Rouge à lèvres Transpire des gouttelettes d’huile 12-18 mois

Doch was passiert wirklich, wenn man ein abgelaufenes Produkt verwendet? Die Konsequenzen reichen von harmlos bis gefährlich. Wie Christine Lafforgue, Forscherin in der Dermopharmazie und Präsidentin der Französischen Gesellschaft für Kosmetologie, in einem Interview mit CNEWS klarstellt, ist das Hauptproblem oft nicht die Gesundheit, sondern die Wirkung:

A priori, il n’y a aucun danger pour la santé. Le seul risque est que le produit perde de son efficacité et ne remplisse plus sa fonction initiale. Il peut sentir mauvais, changer de couleur, ou encore de texture

– Christine Lafforgue, Enseignante et chercheuse en dermopharmacie, présidente de la Société Française de Cosmétologie

Diese Expertise ist besonders wichtig, um zwischen einem reinen Wirksamkeitsverlust und einem echten Gesundheitsrisiko zu unterscheiden – eine Grenze, die bei Augen-Make-up besonders dünn ist.

Desinfektions-Spray: Wie machen Sie Lidschatten wieder hygienisch sauber?

Manchmal ist ein Produkt, insbesondere ein teures Puderprodukt wie Lidschatten oder Bronzer, optisch noch einwandfrei, aber Sie machen sich Sorgen über eine mögliche Keimbelastung. Vielleicht haben Sie es mit einem nicht ganz sauberen Pinsel benutzt oder es ist schon etwas älter. Hier kommt die hygienische Rettung ins Spiel. Während flüssige Produkte oder Cremes in Tiegeln nach einer Kontamination nicht mehr zu retten sind, können Puderprodukte oft effektiv desinfiziert werden, eine Technik, die professionelle Make-up-Artisten routinemäßig anwenden.

Der Schlüssel dazu ist Isopropylalkohol, der in Apotheken erhältlich ist. Er verdunstet schnell, ohne die Textur oder die Pigmentierung des Puders zu verändern, und tötet dabei effektiv die meisten Bakterien auf der Oberfläche ab. Dieser Prozess kann einer liebgewonnenen Palette ein zweites, sicheres Leben schenken.

Mains professionnelles désinfectant une palette de fards avec spray alcool

Die korrekte Anwendung ist jedoch entscheidend für den Erfolg. Es geht nicht darum, das Produkt in Alkohol zu tränken, sondern darum, eine feine Schicht aufzutragen, die ihre desinfizierende Wirkung entfalten und dann vollständig verdunsten kann. Der folgende Aktionsplan beschreibt das professionelle Vorgehen für eine sichere Desinfektion.

Ihr Aktionsplan: Desinfektion von Puderprodukten

  1. Alkohol auswählen: Verwenden Sie ausschließlich Isopropylalkohol mit einer Konzentration von 70%. Eine höhere Konzentration (z.B. 99%) verdunstet zu schnell, um Bakterien effektiv abzutöten.
  2. Vorbereiten: Falls das Puder eine harte, glänzende Schicht (Hard Pan) aufweist, schaben Sie diese vorsichtig mit einem sauberen Spatel oder einem Stück Klebeband ab.
  3. Sprühen: Füllen Sie den Alkohol in eine kleine Sprühflasche und besprühen Sie die Oberfläche des Puders aus 15-20 cm Entfernung gleichmäßig, bis sie leicht feucht ist.
  4. Trocknen lassen: Lassen Sie das Produkt an der Luft vollständig trocknen. Wischen Sie es nicht ab und föhnen Sie es nicht. Der Alkohol muss Zeit haben, zu wirken und zu verdunsten.
  5. Grenzen kennen: Versuchen Sie niemals, Produkte mit cremiger oder flüssiger Textur wie Mascara, Gloss, Concealer oder Cremes im Tiegel zu desinfizieren. Hier können sich Bakterien im gesamten Produkt vermehren und sind nicht nur oberflächlich.

Allerdings gibt es Produkte, bei denen eine Rettung ausgeschlossen ist. Zu wissen, wie man diese dann korrekt entsorgt, ist der nächste wichtige Schritt.

Wohin mit dem Rest: Darf Kosmetik in den Hausmüll oder in den Ausguss?

Wenn ein Produkt eindeutig „gekippt“ ist oder ein Sicherheitsrisiko darstellt, ist die Entsorgung unausweichlich. Doch wohin damit? Die intuitive Handlung, den flüssigen Rest einer Lotion oder eines Shampoos in den Ausguss zu kippen und die Verpackung in den Müll zu werfen, hat erhebliche negative Folgen für die Umwelt. Kosmetika enthalten eine komplexe Mischung aus Chemikalien, Konservierungsstoffen, Mikroplastik und Ölen, die Kläranlagen oft nicht vollständig filtern können.

Diese Substanzen gelangen so in Flüsse, Seen und Meere, wo sie Wasserorganismen schädigen können. Eine umfassende Meta-Analyse von 215 wissenschaftlichen Studien aus dem Jahr 2024 belegt die weitreichenden schädlichen Auswirkungen von Kosmetika auf aquatische Ökosysteme. Der richtige Weg ist daher, den Produktinhalt im Restmüll zu entsorgen. Kratzen Sie Cremes aus und geben Sie sie in den Hausmüll. Flüssigkeiten können mit einem saugfähigen Material wie altem Küchenpapier aufgesogen und ebenfalls in den Restmüll gegeben werden. So wird sichergestellt, dass sie in der Müllverbrennung landen und nicht im Wasserkreislauf.

Die leere Verpackung sollte, wenn möglich, recycelt werden. Trennen Sie dazu die verschiedenen Materialien (z.B. Tiegel aus Glas, Deckel aus Plastik) und entsorgen Sie sie entsprechend den lokalen Recycling-Vorschriften. Eine noch bessere Alternative ist die Wiederverwendung. Viele Marken bieten mittlerweile Nachfüllsysteme an. Leere Flakons und Tiegel können auch ein zweites Leben erhalten:

  • Als Reisebehälter für Ihre Lieblingsprodukte, um den Kauf von umweltschädlichen Reisegrößen zu vermeiden.
  • Zur Aufbewahrung von Kleinteilen wie Haarnadeln, Knöpfen oder Schmuck.
  • Als Behälter für selbstgemachte Kosmetik wie Peelings oder Masken.

Eine bewusste Kaufentscheidung, die von Anfang an auf Langlebigkeit und reduzierte Verpackung achtet, ist jedoch der effektivste Weg, um dieses Problem an der Wurzel zu packen.

An welchen Tagen Sie besser auf wasserfestes Make-up verzichten sollten?

Wasserfestes Make-up ist ein fantastischer Verbündeter für besondere Anlässe – sei es eine Hochzeit, ein Tag am Strand oder ein intensives Workout. Es verspricht perfekten Halt und verhindert das Verschmieren von Mascara oder Eyeliner. Doch diese beeindruckende Widerstandsfähigkeit hat ihren Preis. Die Formulierungen, die für diesen Effekt sorgen, sind oft deutlich aggressiver und okklusiver für die Haut als herkömmliche Produkte. Sie enthalten filmbildende Polymere und Silikone, die sich wie ein undurchlässiger Film auf die Haut und die Wimpern legen.

Dieser Film kann die Poren verstopfen und das natürliche Gleichgewicht der Haut stören, was zu Unreinheiten und Irritationen führen kann. Besonders die empfindliche Haut um die Augen und die Wimpern selbst leiden unter dem täglichen Gebrauch. Der Entfernungsprozess erfordert zudem oft ölbasierte, starke Reinigungsmittel und intensives Reiben, was die Hautbarriere zusätzlich strapaziert und die Wimpern brechen lassen kann. Aus diesem Grund sollte wasserfestes Make-up als das behandelt werden, was es ist: ein Spezialprodukt für Ausnahmesituationen, nicht für den Alltag.

Planen Sie bewusst „make-up-freie“ Tage oder Tage, an denen Sie ausschließlich auf leicht entfernbare Produkte zurückgreifen. Ihre Haut benötigt Regenerationsphasen, in denen sie atmen und ihren natürlichen Schutzfilm wieder aufbauen kann. Verzichten Sie auf wasserfeste Produkte an Tagen, an denen Sie keiner extremen Belastung ausgesetzt sind. Das sind zum Beispiel:

  • Tage, die Sie hauptsächlich im Büro oder zu Hause verbringen.
  • An kühlen, trockenen Tagen ohne Regenrisiko.
  • Wenn Ihre Haut bereits gereizt, trocken oder gestresst ist.

Indem Sie Ihrer Haut diese Pausen gönnen, stärken Sie ihre Widerstandsfähigkeit und beugen langfristigen Schäden vor, die weit über ein einfaches Verfallsdatum hinausgehen.

Augeninfektionen vermeiden: Wann müssen Sie eine alte Palette entsorgen?

Wenn es einen Bereich gibt, in dem keine Kompromisse bei der Haltbarkeit gemacht werden dürfen, dann ist es das Augen-Make-up. Das Auge ist ein extrem empfindliches Ökosystem, und seine Schleimhäute sind eine direkte Eintrittspforte für Bakterien. Ein abgelaufener Mascara oder ein kontaminierter Lidschatten ist keine Lappalie, sondern eine potenzielle bakterielle Zeitbombe, die zu ernsthaften Infektionen wie Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Gerstenkörnern oder im schlimmsten Fall zu Hornhautgeschwüren führen kann.

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diese Gefahr. Eine Studie der London Metropolitan University hat gezeigt, dass abgelaufene Kosmetika zu einem Nährboden für Bakterien wie Enterococcus faecalis werden können – ein Keim, der für Meningitis und Sepsis bekannt ist. Besonders Mascara ist problematisch: Mit jedem Gebrauch wird die Bürste mit Mikroorganismen von den Wimpern kontaminiert, in den dunklen, feuchten Behälter zurückgetaucht und bietet so ideale Brutbedingungen. Deshalb gilt die eiserne Regel: Mascara und flüssiger Eyeliner müssen spätestens nach 3 bis 6 Monaten entsorgt werden, ohne Ausnahme.

Bei Lidschattenpaletten ist die Entscheidung nuancierter, aber nicht weniger wichtig. Obwohl Puderprodukte trockener sind, können sie durch feuchte Pinsel oder Finger kontaminiert werden. Hier hilft eine klare Entscheidungsmatrix, um das Risiko zu bewerten:

Audit-Checkliste für Ihre Lidschattenpalette

  • Anwendung: Haben Sie den Lidschatten jemals mit einem feuchten Pinsel oder den Fingern aufgetragen? Wenn ja, ist das Kontaminationsrisiko hoch.
  • Gesundheitszustand: Hatten Sie eine Augeninfektion (z.B. Bindehautentzündung), während Sie diese Palette benutzt haben? Wenn ja, sofort entsorgen, da die Keime im Produkt überleben.
  • Sensorische Prüfung: Hat der Lidschatten einen ungewöhnlichen, muffigen oder chemischen Geruch? Ist die Textur bröselig oder hat sich eine harte Schicht gebildet? Wenn ja, ist das Produkt alteriert.
  • Alter: Ist die Palette älter als 24 Monate? Selbst bei perfekter Lagerung verlieren Konservierungsstoffe mit der Zeit ihre Wirkung. Eine Entsorgung aus Vorsicht ist ratsam.

Letztendlich ist kein Lidschatten der Welt es wert, eine schmerzhafte und potenziell gefährliche Augeninfektion zu riskieren. Im Zweifel gilt immer: Entsorgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das PAO-Symbol ist ein Richtwert, keine Garantie. Ihre Lagerung und Anwendungshygiene bestimmen die wahre Haltbarkeit.
  • Ihre Sinne (Geruch, Sicht, Tastsinn) sind die zuverlässigsten Werkzeuge, um ein „gekipptes“ Produkt zu diagnostizieren, oft lange vor dem offiziellen Verfallsdatum.
  • Bei Augen-Make-up gibt es null Toleranz: Mascara hat eine maximale Lebensdauer von 6 Monaten. Bei Anzeichen einer Infektion muss das Produkt sofort entsorgt werden.

Skinimalism: Wie Sie mit nur 3 Produkten eine vollständige, wirksame Routine aufbauen?

Nachdem wir die Risiken und die Komplexität der Verwaltung einer großen Kosmetiksammlung beleuchtet haben, stellt sich eine logische Frage: Muss es wirklich so viel sein? Die Antwort vieler Dermatologen und Beauty-Experten lautet zunehmend „Nein“. Der Gegentrend zur überbordenden 10-Schritte-Routine heißt Skinimalism. Es ist eine Philosophie, die auf dem Prinzip „weniger, aber besser“ basiert. Es geht darum, eine hochwirksame Routine mit einer minimalen Anzahl an multifunktionalen, qualitativ hochwertigen Produkten aufzubauen.

Dieser Ansatz hat immense Vorteile. Finanziell gesehen ist er weitaus klüger. Anstatt Geld für Dutzende von Produkten auszugeben, von denen die Hälfte ungenutzt abläuft, investieren Sie in wenige, die Sie vollständig aufbrauchen. Das schont nicht nur Ihren Geldbeutel, sondern reduziert auch drastisch den Abfall. Aus dermatologischer Sicht beruhigt eine minimalistische Routine die Haut, indem sie das Risiko von Irritationen durch die Überlagerung zu vieler verschiedener Wirkstoffe minimiert. Eine einfache Routine aus Reinigung, einem potenten Serum und einer Feuchtigkeitspflege mit LSF ist oft alles, was die Haut wirklich braucht.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt, wie eine minimalistische Herangehensweise nicht nur effektiver, sondern auch ökonomischer ist.

Kosten pro Anwendung vs. Anschaffungskosten
Ansatz Anzahl der Produkte Gesamtkosten Nutzungsrate Reale Kosten pro Anwendung (geschätzt)
Minimalistisch 3 Produkte à 40€ 120€ 100% genutzt 0,33€/Tag
Anhäufung 10 Produkte à 15€ 150€ 50% abgelaufen entsorgt 0,82€/Tag

Der Skinimalism ist die logische Konsequenz für eine bewusste Kosmetik-Kuratorin. Er löst das Problem der Haltbarkeit an der Wurzel, indem er die Anzahl der zu überwachenden Produkte reduziert. Anstatt sich in einer riesigen Sammlung zu verlieren, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Sie kennen jedes Ihrer Produkte genau, nutzen es optimal und ersetzen es rechtzeitig. Dies ist die ultimative Form des aktiven Bestandsmanagements in Ihrer Kosmetiksammlung.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Sammlung zu kuratieren: Nehmen Sie sich ein Produkt vor, führen Sie die Diagnose durch und treffen Sie eine bewusste Entscheidung. Ihre Augen, Ihre Haut und Ihr Geldbeutel werden es Ihnen danken.

Häufig gestellte Fragen zu abgelaufener Kosmetik

Warum ist wasserfestes Make-up aggressiver für die Haut?

Wasserfeste Formeln enthalten okklusive filmbildende Wirkstoffe, die die Haut „abdichten“ können. Dies kann die Haut am Atmen hindern und Bakterien sowie Talg einschließen, was zu Unreinheiten führt. Zudem erfordert die Entfernung oft intensives Reiben und aggressive Reiniger, die die Hautbarriere schädigen.

Wie viele Tage pro Woche kann man wasserfestes Make-up ohne Risiko tragen?

Es wird empfohlen, die Verwendung auf maximal 2-3 Tage pro Woche zu beschränken. Gönnen Sie Ihrer Haut regelmäßig Pausen, um sich zu regenerieren und ihr natürliches Gleichgewicht wiederherzustellen, insbesondere wenn Sie zu Empfindlichkeit oder Unreinheiten neigen.

Welche Bereiche sind am empfindlichsten gegenüber wasserfestem Make-up?

Der Augenbereich und die Wimpern sind besonders anfällig. Die Haut um die Augen ist sehr dünn und empfindlich. Das aggressive Abschminken, das notwendig ist, um wasserfeste Mascara zu entfernen, kann die empfindliche Hautbarriere schwächen und zu brüchigen Wimpern führen.

Geschrieben von Sophie Dr. Krüger, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie mit eigener Praxis in Hamburg und 10 Jahren klinischer Erfahrung. Ihr Schwerpunkt liegt auf evidenzbasierter Hautpflege (Medical Skincare), Akne-Behandlung und Hautkrebsvorsorge.