
Der wahre Wert von Apothekenkosmetik liegt nicht im Preis, sondern in der wissenschaftlichen Präzision und Sicherheit, die sie bei Hautproblemen oder als Begleitung medizinischer Therapien bietet.
- Formulierungen aus der Apotheke sind oft minimalistischer und auf die Bedürfnisse empfindlicher oder erkrankter Haut abgestimmt (z. B. ohne Duftstoffe).
- Begriffe wie „nicht komedogen“ oder „Clean Beauty“ sind oft reines Marketing ohne gesetzliche Grundlage, was eine fachkundige Beratung umso wichtiger macht.
Empfehlung: Investieren Sie in Apothekenkosmetik, wenn Ihre Haut eine medizinische Behandlung begleitet oder spezielle Bedürfnisse (Ekzeme, Akne) hat. Für die Basispflege gesunder Haut können Drogerieprodukte ausreichen.
Die Frage, die sich viele vor dem Kosmetikregal stellen, ist fast schon eine Glaubensfrage: Reicht die günstige Feuchtigkeitscreme aus der Drogerie oder muss es das teure Spezialprodukt aus der Apotheke sein? Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede riesig – vor allem im Preis. Doch als Apotheker kann ich Ihnen versichern: Die Entscheidung zwischen Apotheke und Drogerie ist keine Frage von „gut“ gegen „schlecht“, sondern eine Frage des richtigen Einsatzzwecks und der wissenschaftlichen Notwendigkeit.
Viele Diskussionen drehen sich um einzelne Wirkstoffe, doch der eigentliche Unterschied liegt viel tiefer. Er verbirgt sich in der sogenannten Formulierungspräzision – der Kunst, Inhaltsstoffe so zu kombinieren, dass sie nicht nur wirksam, sondern auch extrem verträglich sind, insbesondere für Haut, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Oft werden generische Ratschläge gegeben, auf bestimmte Inhaltsstoffe zu achten, doch damit kratzt man nur an der Oberfläche. Was ist, wenn eine Hautbarriere durch ein Ekzem geschwächt ist oder eine intensive Akne-Therapie die Haut extrem austrocknet? Dann geht es nicht mehr nur um Feuchtigkeit, sondern um eine therapiebegleitende Pflege, die spezielle Anforderungen erfüllen muss.
Dieser Artikel bricht mit der einfachen Preis-Diskussion. Stattdessen nehmen wir die Perspektive eines Pharmazeuten ein, um die wissenschaftlichen und regulatorischen Unterschiede aufzudecken. Wir entschlüsseln, was hinter Marketing-Claims wie „nicht komedogen“ steckt und warum die Sicherheit einer Formulierung bei bestimmten Hautzuständen wichtiger ist als jeder Trend. Ziel ist es, Ihnen das Wissen an die Hand zu geben, um eine fundierte Entscheidung für die Gesundheit Ihrer Haut zu treffen – ganz ohne Marketing-Mythen.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, beleuchtet dieser Leitfaden die entscheidenden Aspekte Schritt für Schritt. Der folgende Überblick zeigt Ihnen, welche Themen wir im Detail analysieren werden, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Inhaltsverzeichnis: Apotheken- vs. Drogeriekosmetik – Der Experten-Check
- Warum enthält Apothekenkosmetik oft reinere Wirkstoffe als Drogerieprodukte?
- Wie entschlüsseln Sie die INCI-Liste, um Marketing von Wissenschaft zu trennen?
- Was bedeutet eigentlich „nicht komedogen“ und ist das ein geschützter Begriff?
- Warum Sie bei Ekzemen nicht einfach irgendeine Creme aus dem Regal nehmen sollten?
- Wie kombinieren Sie Pflegeprodukte mit verschreibungspflichtigen Akne-Medikamenten?
- Warum Sie während einer medizinischen Creme-Therapie auf Peeling und Duft verzichten müssen?
- Marketing ohne Gesetz: Warum jeder seine Marke „Clean“ nennen darf?
- Trockenheit durch Akne-Medikamente: Wie pflegen Sie die Haut während einer Isotretinoin-Kur?
Warum enthält Apothekenkosmetik oft reinere Wirkstoffe als Drogerieprodukte?
Der Begriff „reinere Wirkstoffe“ ist mehr als nur ein Marketingversprechen. Er beschreibt einen fundamentalen Unterschied im Herstellungsansatz. Während Drogeriekosmetik für die Anwendung auf gesunder Haut konzipiert wird, richtet sich Apothekenkosmetik oft an empfindliche, gereizte oder sogar pathologisch veränderte Haut. Dies erfordert einen höheren Standard, der sich an pharmazeutischen Qualitätskriterien orientiert. Konkret bedeutet das: Weniger ist oft mehr. Es wird bewusst auf potenziell reizende Stoffe wie Duftstoffe, Farbstoffe oder bestimmte Konservierungsmittel verzichtet, um das Allergierisiko zu minimieren.
Zudem liegt der Fokus auf der Stabilität und Bioverfügbarkeit der aktiven Inhaltsstoffe. Ein hochdosiertes Vitamin C Serum nützt wenig, wenn der Wirkstoff durch Licht und Luft zerfällt, bevor er in die Haut eindringen kann. Apothekenmarken investieren daher oft in aufwendige Formulierungen und spezielle Verpackungen wie Airless-Spender oder Aluminiumtuben, um die Wirksamkeit bis zur letzten Anwendung zu garantieren. Diese Formulierungspräzision stellt sicher, dass ein Produkt nicht nur einen Wirkstoff enthält, sondern diesen auch an den richtigen Ort in der Haut transportieren kann, ohne sie dabei zu irritieren. Das ist der entscheidende, wenn auch unsichtbare Mehrwert.
Ihr Aktionsplan: Pharmazeutische Qualität erkennen
- Kontaktpunkte prüfen: Suchen Sie auf Verpackungen, Marken-Websites oder im Beratungsgespräch nach Hinweisen auf Tests und Herkunft.
- Beweise sammeln: Achten Sie gezielt auf Labels wie „Unter dermatologischer Kontrolle getestet“, „getestet an empfindlicher Haut“ oder die Art des Behälters (z. B. Airless-Pumpspender).
- Kohärenz bewerten: Positioniert sich die Marke als „minimalistisch“? Bestätigt ein kurzer Blick auf die INCI-Liste (wenige Inhaltsstoffe, kein „Parfum“) dieses Versprechen?
- Vertrauen hinterfragen: Kommuniziert die Marke ihre Herkunft aus einem pharmazeutischen Labor? Dies kann ein starkes Indiz für höhere Produktionsstandards sein.
- Integrationsplan erstellen: Geben Sie bei sensibler Haut Produkten den Vorzug, die klare Nachweise über klinische Tests und Stabilitätsprüfungen liefern.
Wie entschlüsseln Sie die INCI-Liste, um Marketing von Wissenschaft zu trennen?
Die INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) ist das ehrlichste Element auf jeder Kosmetikverpackung – wenn man sie zu lesen weiß. Die Regel ist einfach: Die Inhaltsstoffe sind in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration aufgelistet. Alles, was über 1 % enthalten ist, steht am Anfang; alles darunter kann in beliebiger Reihenfolge folgen. Ein teurer Wirkstoff, der ganz am Ende der Liste auftaucht, ist also oft nur in einer homöopathischen Dosis enthalten – sogenanntes „Angel Dusting“ für Marketingzwecke.
Als pharmazeutischer Experte rate ich Ihnen, sich auf die ersten fünf bis sieben Inhaltsstoffe zu konzentrieren. Diese bilden die Basis des Produkts. Suchen Sie hier nach hochwertigen Feuchtigkeitsspendern wie Glycerin, Hyaluronsäure oder Ceramiden statt nach einfachen Füllstoffen wie Mineralöl (Paraffinum Liquidum), das zwar okklusiv wirkt, aber keine pflegenden Eigenschaften besitzt. Ein weiterer Trick: Achten Sie auf die Position von „Parfum“ oder „Fragrance“. Steht dieser Begriff relativ weit oben, ist die Konzentration potenziell reizender Duftstoffe hoch. In guter Apothekenkosmetik fehlt dieser Eintrag oft ganz oder wird durch verträglichere Alternativen ersetzt.

Die Analyse der INCI-Liste ist somit Ihr mächtigstes Werkzeug, um Werbeversprechen kritisch zu hinterfragen und die wahre Qualität einer Formulierung zu beurteilen. Es geht darum, die wissenschaftliche Substanz von der reinen Marketing-Fassade zu unterscheiden.
Fallstudie: Der Aufstieg von La Rosée – Die Macht der Formulierung
Die 2015 gegründete Marke La Rosée hat sich mit einem Jahresumsatz von über 70 Millionen Euro im Jahr 2023 zur sechstmeistverkauften Dermokosmetikmarke in französischen Apotheken entwickelt. Ihr Erfolg basiert auf „Clean Dermocosmetics“-Rezepturen, die nachweislich klinische Wirksamkeit mit einer angenehmen Anwendung verbinden. Dies zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Transparenz bei den Wirkstoffen für den kommerziellen Erfolg in der Apotheke ist.
Was bedeutet eigentlich „nicht komedogen“ und ist das ein geschützter Begriff?
Der Claim „nicht komedogen“ ist einer der am häufigsten verwendeten Begriffe bei Produkten für zu Unreinheiten neigende Haut. Er suggeriert, dass das Produkt die Poren nicht verstopft und somit keine Pickel oder Mitesser (Komedonen) verursacht. Die ernüchternde Wahrheit ist jedoch: Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt oder standardisiert. Es gibt keine offizielle Behörde, die kontrolliert, ob ein Produkt diese Bezeichnung zu Recht trägt. Jede Marke kann selbst definieren, welche Kriterien sie für diese Auslobung anlegt.
Historisch basierten diese Tests oft auf Anwendungen am Kaninchenohr, was nur bedingt auf die menschliche Haut übertragbar ist. Zudem kann ein einzelner Inhaltsstoff, der in Reinform als komedogen gilt, in einer gut formulierten Gesamtrezeptur völlig unproblematisch sein. Die Komedogenität hängt von der Konzentration, der Kombination mit anderen Stoffen und vor allem von der individuellen Reaktion Ihrer Haut ab. Ein als „nicht komedogen“ beworbenes Produkt kann bei Ihnen also trotzdem Unreinheiten auslösen, während ein Produkt ohne diesen Claim perfekt für Sie funktioniert.
Hier zeigt sich eine entscheidende regulatorische Lücke, die den Wert einer fachkundigen Beratung unterstreicht. Wie Experten aus der Branche bestätigen, bewegen wir uns oft in einer Grauzone. Die Einschätzung eines Produkts kann von der reinen Marketing-Behauptung abhängen.
Es gibt keine gesetzliche Definition für Dermokosmetik. Wir befinden uns hier ganz klar im Bereich der sogenannten ‚Grenzprodukte‘, bei denen die Klassifizierung eines Produkts an der Grenze manchmal einfach von der gemachten Behauptung abhängen kann.
– Bio Linéaires, Le magazine professionnel des points de ventes bio
Warum Sie bei Ekzemen nicht einfach irgendeine Creme aus dem Regal nehmen sollten?
Ein Ekzem oder eine atopische Dermatitis ist mehr als nur trockene Haut. Es ist ein Zustand, bei dem die Hautbarriere funktionell gestört ist. Sie kann Feuchtigkeit nicht mehr effektiv speichern und ist durchlässiger für Reizstoffe, Allergene und Bakterien. So ist laut Daten der französischen Gesundheitsbehörden 1 von 3 Personen von einer Hautkrankheit betroffen, was die Notwendigkeit spezieller Pflegeprodukte unterstreicht. Eine herkömmliche Feuchtigkeitscreme aus der Drogerie kann hier im besten Fall wirkungslos sein, im schlimmsten Fall die Symptome durch enthaltene Duft- oder Konservierungsstoffe sogar verschlimmern.
Hier kommt der Unterschied zwischen einem Kosmetikum und einem Produkt mit dem Status eines Medizinprodukts ins Spiel, die Sie häufig in Apotheken finden. Während ein normales Kosmetikum lediglich pflegen soll, muss ein als Medizinprodukt klassifiziertes Hautpflegeprodukt seine Wirksamkeit bei der Wiederherstellung der Hautbarriere in klinischen Studien nachweisen. Diese Produkte sind minimalistisch formuliert, oft steril verpackt und darauf ausgelegt, das Mikrobiom der Haut nicht weiter zu stören. Sie sind der Goldstandard in der therapiebegleitenden Pflege von Ekzemen und Neurodermitis.
Die folgende Tabelle fasst die entscheidenden Unterschiede zusammen und macht deutlich, warum die Wahl des richtigen Produkts bei einer geschädigten Hautbarriere eine medizinische und keine rein kosmetische Entscheidung ist.
| Kriterium | Kosmetik standard | Dispositif médical (pharmacie) |
|---|---|---|
| Regulatorischer Status | Einfaches Kosmetikprodukt | Medizinprodukt Klasse I oder IIa |
| Erforderliche Tests | Grundlegende Verträglichkeitstests | Klinische Nachweise obligatorisch |
| Barrierefunktion | Einfache Hydratation | Nachgewiesene Wiederherstellung der Barriere |
| Konservierungsstoffe | Standards, Parfüm möglich | Minimalistisch, ohne Parfüm |
| Wirkung auf das Mikrobiom | Nicht bewertet | Neutralität oder Wiederherstellung |
Wie kombinieren Sie Pflegeprodukte mit verschreibungspflichtigen Akne-Medikamenten?
Die Behandlung von Akne mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wie topischen Retinoiden (z.B. Tretinoin) oder Benzoylperoxid (BPO) ist hochwirksam, aber auch eine enorme Belastung für die Haut. Diese Wirkstoffe beschleunigen die Zellerneuerung und bekämpfen Bakterien, führen aber fast immer zu Trockenheit, Rötungen, Schuppung und extremer Empfindlichkeit. Hier eine falsche Pflege zu verwenden, kann die Therapie zunichtemachen, weil die Nebenwirkungen so unerträglich werden, dass Patienten die Behandlung abbrechen. Das Ziel der therapiebegleitenden Pflege ist es daher, die Hautbarriere zu stabilisieren und die Verträglichkeit der Medikation zu erhöhen.
Ein bewährtes Konzept hierfür ist das sogenannte „Skin Cycling“. Anstatt jeden Abend den starken Wirkstoff aufzutragen, wechselt man ihn mit Abenden ab, die der reinen Reparatur und Hydratation gewidmet sind. An „Wirkstoff-Abenden“ wird das Medikament auf die gereinigte, trockene Haut aufgetragen. An den folgenden „Reparatur-Abenden“ verzichtet man auf alle reizenden Inhaltsstoffe und setzt stattdessen auf reichhaltige Cremes mit Ceramiden, Niacinamid oder Panthenol, um die Hautbarriere wieder aufzubauen. Ein „Pausen-Abend“ kann zusätzlich eingelegt werden, an dem nur eine leichte Feuchtigkeitspflege zum Einsatz kommt. Diese Methode maximiert die Wirkung der Medikamente bei minimalen Nebenwirkungen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der konsequenten Trennung von aktiver Behandlung und intensiver Regeneration, um die Haut nicht zu überfordern.
Checkliste: Skin-Cycling-Protokoll für Haut in Behandlung
- Abend A (Behandlung): Anwendung des medizinischen Wirkstoffs (z. B. Retinoid oder Benzoylperoxid) auf die gereinigte, trockene Haut.
- Abend B (Reparatur): Intensive Regeneration mit einer barriereaufbauenden Creme, die reich an Ceramiden und Niacinamid ist.
- Abend C (Pause): Vollständige Pause von aktiven Wirkstoffen; nur eine einfache, beruhigende Feuchtigkeitspflege verwenden.
- Tägliche Morgenroutine: Immer eine sanfte Reinigung, eine leichte, nicht komedogene Feuchtigkeitspflege und einen Breitband-Sonnenschutz mit LSF 50+ verwenden.
- Wöchentliche Anpassung: Beobachten Sie Ihre Haut genau und passen Sie die Frequenz (z. B. zwei Reparatur-Abende nach einem Behandlungs-Abend) je nach Hauttoleranz an.
Warum Sie während einer medizinischen Creme-Therapie auf Peeling und Duft verzichten müssen?
Während einer Behandlung mit potenten Wirkstoffen wie Retinoiden befindet sich Ihre Haut in einem permanenten Zustand der Erneuerung und der leichten Entzündung. Die Hautbarriere ist kompromittiert. In dieser Phase zusätzliche Reize zu setzen, ist wie Öl ins Feuer zu gießen. Mechanische Peelings (mit Körnchen) oder chemische Peelings (mit Säuren wie AHA/BHA) würden die bereits geschwächte oberste Hautschicht weiter abtragen und zu massiven Irritationen, Rötungen und sogar Verletzungen führen. Ihr medizinisches Produkt übernimmt bereits die Aufgabe der Zellerneuerung – jedes weitere Peeling ist kontraproduktiv.
Gleiches gilt für Duftstoffe. Ob synthetisch oder natürlich (z. B. ätherische Öle), Duftstoffe gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien und Hautreizungen. Auf gesunder Haut werden sie oft toleriert, doch auf einer sensibilisierten Haut, deren Schutzbarriere durchlässig ist, können sie tief eindringen und das Immunsystem alarmieren. Eine minimalistische Formulierung ohne Duftstoffe, Alkohol und Farbstoffe ist daher kein netter Bonus, sondern eine absolute Notwendigkeit, um den Therapieerfolg nicht zu gefährden. Der Fokus muss zu 100 % auf Beruhigung, Schutz und Wiederaufbau liegen.
Fallstudie: Der minimalistische Ansatz von SVR
Die in den 60er-Jahren gegründete Marke SVR erlebte mit einem Umsatzplus von 22 Millionen Euro (+51 %) im Jahr 2023 eine spektakuläre Wiedergeburt. Ihre erfolgreiche Neupositionierung basiert auf puristischen Formeln ohne Duft- und Farbstoffe, die perfekt auf die Bedürfnisse von Haut unter medizinischer Behandlung abgestimmt sind. Dies belegt eindrucksvoll die Bedeutung von formulatorischer Einfachheit.
Diese Sichtweise wird von Branchenexperten geteilt, die die Rolle des pharmazeutischen Fachpersonals bei der Hautpflege betonen.
Apotheker sind in dieser Rolle mehr als legitimiert, sie kennen die Haut. Man darf nicht vergessen, dass die Hautpflege viel mit der Medizin gemeinsam hat.
– Pierre Juhen, Präsident von Patyka
Marketing ohne Gesetz: Warum jeder seine Marke „Clean“ nennen darf?
Der Trend zu „Clean Beauty“ und Naturkosmetik ist unaufhaltsam. Eine Studie von LSA Conso zeigt, dass 64 % der Französinnen im Jahr 2023 ein natürliches, biologisches oder veganes Kosmetikprodukt gekauft haben. Dieser Wunsch nach „sauberen“ und „sicheren“ Produkten ist verständlich, doch der Begriff „Clean Beauty“ ist, ähnlich wie „nicht komedogen“, eine reine Marketing-Erfindung ohne jegliche gesetzliche Definition. Jede Marke kann für sich selbst festlegen, was sie unter „clean“ versteht. Für die eine bedeutet es den Verzicht auf Silikone und Parabene, für die andere den Fokus auf vegane Inhaltsstoffe.
Dies führt zu einem gefährlichen Trugschluss: „Clean“ oder „natürlich“ wird oft fälschlicherweise mit „besser“ oder „sicherer“ für empfindliche Haut gleichgesetzt. Doch viele natürliche Inhaltsstoffe, insbesondere ätherische Öle, haben ein hohes allergenes Potenzial und können sensible Haut stark reizen. Im Gegensatz dazu sind viele synthetische Inhaltsstoffe, die in der Apothekenkosmetik verwendet werden (z. B. hochreines Silikonöl oder bestimmte Konservierungsmittel), extrem gut erforscht, inert und hochverträglich – gerade weil sie keine Reaktion mit der Haut eingehen.
Der wahre Indikator für Sicherheit ist nicht das Marketing-Label „Clean“, sondern ein offizielles, kontrolliertes Bio-Siegel (wie Ecocert oder Cosmos) oder, im Fall von Problemhaut, der Verweis auf dermatologische Tests an empfindlicher Haut. Hier bietet die Apotheke eine kuratierte Auswahl und eine fachkundige Beratung, die hilft, durch den Dschungel der Marketing-Begriffe zu navigieren und eine wirklich sichere Wahl zu treffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zweck vor Preis: Apothekenkosmetik ist nicht per se „besser“, sondern für spezifische Hautzustände und als Therapiebegleitung konzipiert.
- Formulierung ist alles: Die Wirksamkeit und Verträglichkeit hängen von der gesamten Rezeptur, Stabilität und Verpackung ab, nicht nur von einzelnen Wirkstoffen.
- Marketing entlarven: Begriffe wie „nicht komedogen“ oder „Clean Beauty“ sind nicht gesetzlich geschützt und erfordern eine kritische Prüfung und fachkundige Beratung.
Trockenheit durch Akne-Medikamente: Wie pflegen Sie die Haut während einer Isotretinoin-Kur?
Eine orale Therapie mit Isotretinoin ist eine der wirksamsten Behandlungen bei schwerer Akne, aber auch eine der intensivsten. Der Wirkstoff reduziert die Talgproduktion drastisch, was zu einer extremen Austrocknung von Haut und Schleimhäuten am ganzen Körper führt. Diese Therapie erfordert eine besondere Verantwortung und Vorsicht, da der Wirkstoff stark teratogen (fruchtschädigend) ist. Daten der französischen Arzneimittelbehörde ANSM zeigen, dass es trotz strenger Verhütungsvorschriften jedes Jahr in Frankreich zu etwa 175 Schwangerschaften unter Isotretinoin-Exposition kommt, was die Notwendigkeit einer lückenlosen Aufklärung unterstreicht.
Die richtige Hautpflege ist während dieser Kur nicht optional, sondern ein essenzieller Bestandteil des Therapieerfolgs. Es geht darum, die Nebenwirkungen so zu managen, dass die Behandlung über den gesamten Zeitraum durchgehalten werden kann. Die Drogerie-Feuchtigkeitspflege für „trockene Haut“ reicht hier bei weitem nicht aus. Sie benötigen spezielle, hochwirksame Produkte, die die Hautbarriere mit Lipiden wie Ceramiden, Squalan oder Sheabutter wieder aufbauen und gleichzeitig absolut reizfrei sind. Die Investition in hochwertige Apothekenprodukte für Gesicht, Lippen und Sonnenschutz ist hier unerlässlich.
Die folgende Liste dient als „Überlebenskit“ und fasst die wichtigsten Produkte zusammen, die Sie während einer Isotretinoin-Kur benötigen, um die Nebenwirkungen von Kopf bis Fuß zu lindern.
Checkliste: Ihr Isotretinoin-Überlebenskit
- Gesicht (Reinigung): Verwenden Sie ein ultra-sanftes Reinigungsöl oder eine Reinigungsmilch. Hier können gute Drogerieprodukte ausreichen.
- Gesicht (Hydratation): Investieren Sie in einen reichhaltigen, reparierenden Balsam mit Ceramiden. Dies ist eine essenzielle Anschaffung aus der Apotheke.
- Lippen: Ein spezieller, hoch schützender Barriere-Lippenpflegestift aus der Apotheke ist unerlässlich, da die Lippen extrem trocken und rissig werden.
- Sonnenschutz: Ein Breitband-Sonnenschutz mit LSF 50+ in einer feuchtigkeitsspendenden, nicht komedogenen Cremetextur ist Pflicht. Auch hier ist die Apotheke die beste Anlaufstelle.
- Körper: Eine intensive, feuchtigkeitsspendende Körpermilch für sehr trockene Haut hilft gegen Juckreiz und Schuppung.
- Augen: Konservierungsmittelfreie künstliche Tränen aus der Apotheke lindern die Trockenheit der Augen.
- Nase: Ein feuchtigkeitsspendendes Gel für die Nasenschleimhäute beugt Nasenbluten vor.
Die Entscheidung zwischen Apotheke und Drogerie ist letztendlich eine informierte Wahl, die auf den individuellen Bedürfnissen Ihrer Haut basiert. Der nächste logische Schritt ist, Ihre aktuelle Hautpflegeroutine zu bewerten und bei Bedarf eine fachkundige Beratung in Ihrer Apotheke in Anspruch zu nehmen.
Häufig gestellte Fragen zu Apothekenkosmetik
Der Begriff ’nicht komedogen‘ ist-il réglementé?
Non, c’est une allégation marketing non encadrée légalement, basée sur des tests historiques pas toujours représentatifs de la peau humaine.
Comment tester personnellement la comédogénicité d’un produit?
Effectuer un patch test sur une petite zone sujette aux imperfections pendant 2-3 semaines pour évaluer sa propre réaction.
Un ingrédient comédogène l’est-il dans toutes les formules?
Non, la comédogénicité dépend de la formule complète et surtout de la réaction individuelle de chaque peau.
Quelle différence entre ‚Clean Beauty‘ et labels bio certifiés?
La ‚Clean Beauty‘ est un concept marketing auto-défini par chaque marque, tandis que les labels bio (Ecocert, Cosmos) répondent à un cahier des charges strict et contrôlé.
Un produit ‚clean‘ est-il plus sûr pour les peaux sensibles?
Non nécessairement. Un produit ‚clean‘ avec des huiles essentielles peut être très irritant, contrairement à certains produits dermocosmétiques synthétiques testés.
Comment les pharmaciens perçoivent-ils les labels?
80% des pharmaciens sont intéressés pour comprendre ce qu’il y a derrière les labels, et 75% des marques labellisées Cosmébio figurent dans leurs meilleures ventes.